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Portraits

Auf einen Abschlag mit Peter Barnikow – Back to the Green

Es ist ein herrlicher Herbsttag, an diesem Dienstag im Oktober 2015, als sich Peter Barnikow mit seiner Frau Irene gegen Mittag auf den Weg Richtung Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee e.V. macht. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel auf ihren schwarz glänzenden VW Golf. Der sportliche 78 Jährige ist auf Zack, heute Vormittag war er schon beim Fitnesstraining und mit Simba, dem orangenen Chow Chow, eine große Runde Gassi. Jetzt, eine halbe Stunde vor der vereinbarten Zeit, geht es zügig weiter: die Potsdamer Chaussee entlang, stadtauswärts, linker Hand in den „Golfweg“. Hier gilt Tempo 20, nicht jedoch für Peter Barnikow.

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Wir als alte Wannseer…

Der gebürtige Zehlendorfer wurde am 20. Juni 1937 im Waldfriede Krankenhaus geboren. 1944 haben seine Eltern ein Haus am Golfplatz Wannsee übernommen, in dem seine Mutter vorher als Köchin gearbeitet hatte. Der Eigentümer war aus Angst vor den Russen nach Heidelberg geflohen und so kam es, dass Peter die folgenden zehn Jahre direkt neben dem Gelände des Golfplatzes wohnte. Das Haus, in dem er einst aufwuchs, steht als Einziges bis heute, das ursprüngliche Clubhaus brannte 1945 durch einen Granatenangriff ab. Peter erinnert sich gut an Kriegszeiten auf dem Golfplatz, in denen er Verwundete aus dem umliegenden Grunewald barg und miterlebte, wie sowjetische Kampfeinheiten zu Kriegsende auf den Greens (sehr kurz geschnittene Rasenfläche, auf der sich die Fahne und das Loch befinden) Stellung bezogen. „Am 1. Mai 1945 starb mein Vater, ein Feuerwehrmann. Man liquidierte ihn mit Genickschuss.“

Golfer im Oktober 2015

Der Golfclub, „ein Hort des Who is Who“

Als Peter und Irene den verhältnismäßig leeren Parkplatz im Golfweg 22 erreichen, sind Beide überrascht „Sie müssten das mal bei einer Veranstaltung wie dem begehrten Neujahrsempfang hier sehen. Da stehen die BMWs in Reihe bis runter zur Potsdamer,“ schmunzelt Irene. „Wir machen uns fein, die Damen tragen lange Roben. In ihren hohen Absätzen werden sie an der Hand bis zum Clubhaus begleitet… Und dann: Smalltalk!“ Peter fügt hinzu: „Wir haben 1.100 ordentliche Mitglieder im Club, aber nur ca. 400 von ihnen spielen aktiv Golf. Es geht um Sehen und Gesehen werden, ein Hort des Who is Who.“ Und tatsächlich liest sich die Gästeliste des traditionellen Neujahrsempfangs 2015 wie eine Boulevardzeitung. Unter den 400 anwesenden Mitgliedern und geladenen Gästen befanden sich etliche Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder von namenhaften Unternehmen sowie politische Prominenz.

Preisverleihung Terrasse um 1930

Eine Sportfreundschaft ist keine innige Freundschaft…

Wahre Freunde sind aus anderen Zeiten, die helfen Einem in der Not,“ konstatiert Peter Barnikow während er durch das Clubhaus schlendert und jeden, den er trifft, persönlich und mit Namen begrüßt. Stolz zeigt er das Kaminzimmer, die Bar („das 19. Loch“) und die großzügige Sonnenterasse mit Panoramablick. Währenddessen schaut sich Irene nach neuen Golfhandschuhen im ProShop des Clubhauses um. „Meine Familie ist und war immer mein Mittelpunkt. Ich hab den Kindern das Skifahren beigebracht, das Segeln, und zum Schluss noch das Golfen.“

Im ProShop des Golfclubs

Ich war aus Leib und Seele Polizeibeamter

1960 heirateten Peter und Irene Barnikow, 1963 kam die erste, 1964 die zweite Tochter auf die Welt. Irene kümmerte sich um Kinder und Haushalt, Peter machte Karriere: „Ich schrie immer Hier!, wenn es um Fortbildungen und Lehrgänge ging.“ Mit der Ausbildung bei der Polizei qualifizierte er sich bald für den gehobenen Polizeidienst, wurde dann Zugführer in der Bereitschaftspolizeitabteilung, später gar in den höheren Dienst berufen. Im südlichen West- Berlin war er den Amerikanern unterstellt, die alle Polizeieinsätze genehmigen mussten. Er war als Abschnittsleiter, Schichtleiter und Polizeidirektor aktiv. In Schöneberg und Kreuzberg. Dachstuhlbrand, Geiselnahme, Hausbesetzer, Demos – Barnikow hat alles mit erlebt, oft an vorderster Front. „Häufig klingelte nachts um eins das Telefon. Dann bin ich hin und habe die Einsatzleitung übernommen, mit Hausbesetzern gesprochen, versucht Geiselnehmer zu besänftigen, zu deeskalieren. Wir haben versucht, auf den Verstand, die Vernunft der Gegenseite zu setzen. Oftmals erfolgreich.“ Im März 1995, nach knapp 40 Jahren bei der Polizei, geht Peter Barnikow in den Ruhestand „Ich war 58, rüstig und voller Tatendrang!“

Warnhinweis vor fliegenden Bällen

18 Loch mit dem E- Golfcart

Auch im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee e.V. geht es eifrig weiter. Peter Barnikow steigt in ein E- Golfcart. Diese elektisch betriebenen Golfwägen können gegen eine Gebühr ausgeliehen werden, von älteren Golfern, die nicht zu Fuß von Loch zu Loch laufen möchten. Und davon hat ein Golfplatz so einige. Werden alle 18 Löcher bespielt, legt man gut und gerne an die zehn Kilometer pro Spielrunde zurück. Peter Barnikow lenkt das Golfcart routiniert und schwindelfrei über die Hügel („Es handelt sich um natürliche Anhebungen!“), zwischen herbstlich leuchtenden Baumbestand („Ich kenne manche Bäume schon mein Leben lang!“) und erklärt den künstlich angelegten See, der auch zur Bewässerung dient.

Herbstbäume im Teich gespiegelt

Meine liebsten Plätze sind der Golfplatz, das Wasser und der Wald!

Peter Barnikow war schon immer sportlich, aber nicht immer im Golfsport aktiv. „Lange Jahre war das Segeln mein Lebensinhalt, ich bin Regatten gesegelt und hatte ein eigenes Segelschiff. Mit der Familie waren wir in Norwegen, Finnland. Die Golfschläger lagen über Jahrzehnte unter Deck, es hat mich nie ganz losgelassen und so war es 1996 ein Wiedereinstieg in den Golfsport. Hier im Club fing ich als Mannschaftsführer der Senioren Mannschaft an. Wir stiegen schnell in die erste Liga auf, waren fünf Mal deutscher Mannschaftsmeister.“ Zudem war er Spielleiter im Landesgolfverband und als Schiedsrichter bei der deutschen PGA (Pro Golf Tour) zugange. Seit 1999 sind Peter und Irene Mitglieder und beinahe täglich vor Ort. „Ich betreue auch ein bisschen den Platz als Solchen. Im Rahmen eines sogenannten Platzausschusses sind wir zuständig für Erhalt und Pflege des Platzes. Das ist gar nicht so einfach, denn die Gräser von 1926 sind anfällig, gleichermaßen nicht mehr zu kriegen und deswegen bedarf es eines ganz feinen Händchens, diesen Golfplatz den Vorgaben entsprechend zu pflegen.“

Portrait Peter Barnikow

Viele Klischees über die Golfer aus Wannsee haben sich heute wiederlegt. Peter Barnikow ist höflich und adrett. Warmherzig und ehrlich. Bodenständig, eloquent und offenherzig. Ein waschechter Berliner, der viel erlebt hat. Beim Abschied mit festem Händedruck sagt er ohne dass es eingebildet klingt: „Wissen Sie, ich hatte immer das Gefühl, das man mich braucht.“ Und wie er so dasteht, mit seinen 1,90 Meter und dem klaren Blick, scheint gewiss, dass auch künftig noch viele Aufgaben und Menschen auf ihn warten.

Text und Fotos Sandy Bossier-Steuerwald

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