Textressort - Storytelling

Kollegen, Freunde und Förderer eines Deutschlandstipendiums: Oliver Wiese (li.) und Christoph Pockrandt, Informatik-Doktoranden an der Freien Universität.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Portraits

Die Stipendiengeber

Die Tür zum Raum 010 am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin steht einladend offen, drinnen wartet Christopher Pockrandt in seinem aufgeräumten Büro. Der Mittzwanziger ist am Max-Planck- Institut für Molekulargenetik angestellt und schreibt gerade seine Doktorarbeit in Bioinformatik an der Freien Universität. Als Oliver Wiese, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der AG Sichere Identität und ebenfalls Doktorand an der Freien Universität, mit leichter Verspätung das Büro betritt, wird klar: Nicht alle Informatiker lassen sich über einen Kamm scheren. Wiese ist eher der legere Typ in Jeans und Turnschuhen, Pockrandt wirkt etwas akkurater.

Die beiden kennen sich aus dem Studium. Zunächst waren sie Kommilitonen, dann arbeiteten sie zur gleichen Zeit als Tutoren am Institut für Informatik. Auch ihre Zeit als Deutschlandstipendiaten überschneidet sich. Sie lernen sich immer besser kennen und schätzen. „Christopher ist sehr zuverlässig und bestens organisiert, davon kann ich mir eine Scheibe abschneiden“, sagt Wiese über seinen Freund und Kollegen. Pockrandt entgegnet: „Dafür spricht Oliver Probleme direkter an, außerdem ist er sehr engagiert, organisiert Seminare und betreut unter anderem Bachelor- und Masterarbeiten nebenher.“ Schon der Einstieg in das Studium war bei beiden ähnlich: Sie hatten nach dem Abitur am Programm „ProInformatik“ teilgenommen, einer Art Schnupperkurs, den die Freie Universität Schülerinnen und Schülern anbietet, damit diese ausprobieren können, ob ein Informatikstudium das richtige für sie ist.

Zwei ehemalige Deutschlandstipendiaten werden selbst Förderer

Dieses Jahr nun haben sie zusammen mit anderen Ehemaligen aus der einstigen „Tutoren- Clique“ den Verein Collegium Academicum Berlin gegründet. Hier soll künftig nicht nur der wissenschaftliche Nachwuchs von ihrem Wissen profitieren, sie wollen mit dem Verein auch Stipendien vergeben, das erste wird gleich ein Deutschlandstipendium sein. Dabei liegt ihnen besonders die Förderung von Studierenden am Herzen, deren Fächer eher selten gefördert werden: „Am liebsten würden wir jemanden des Studienfachs Philosophie unterstützen.“ Künftig möchten sie mit ihrem Verein einen Preis für besondere Abschlussarbeiten vergeben, und sie denken über die Ausschreibung eines Lehrpreises am Institut für Informatik nach. Seit dem Sommersemester 2016 veranstaltet das Collegium Academicum Berlin e.V. außerdem Promovierenden- Kolloquien.

Ihre positiven Erfahrungen mit dem Deutschlandstipendium waren für beide ein wichtiger Grund, sich nun selbst zu engagieren. „Die finanzielle Hilfe war eine große Erleichterung“, sagt Wiese, „ich konnte dadurch meine Forschungsinteressen intensiver verfolgen und an einer wissenschaftlichen Publikation mitarbeiten – und diese dann auch bei einer Konferenz in den USA vorstellen.“ Und Pockrandt ergänzt: „Auch die Umsetzung des Deutschlandstipendiums an der Freien Universität war sehr gut und unbürokratisch, deshalb wollen wir, dass auch andere davon profitieren können.“

Pockrandts Förderung kam von der DIS AG Berlin Information Technology, ein weltweit erfahrenes und regional verankertes Unternehmen für die Vermittlung von Fach- und Führungskräften im IT-Bereich. „Ich hatte während meines Deutschlandstipendiums regelmäßig Kontakt zu meinem Förderer Ingo Bischoff, er ist dort Niederlassungsleiter, und er interessierte sich sehr für mein Studium, denn er hatte selbst auch Informatik studiert.“ Wiese wurde von der Bundesdruckerei GmbH gefördert, einem international führenden Systemanbieter für Hochsicherheitstechnologie und Full-ID-Management, der sich in den vergangenen Jahren im Bereich der „Secure Identity“ etabliert hat, und der ihm auch wertvolle Einblicke in die Praxis ermöglichte.

Im Rahmen des Stipendiums bot die Freie Universität beiden weitere Förderungen wie Workshops und Mentoring-Programme an: „Davon war ich positiv überrascht“, sagt Pockrandt, „ich konnte bei der Mentorenwahl auch meine Wünsche angeben und die Mitarbeiterinnen des Deutschlandstipendiums haben für mich einen entsprechenden Mentor gesucht“. Dieser Mentor war Raman Sanyal, damals noch Junior-Professor der Mathematik. „Er hat mir einen Einblick in den Arbeitsalltag eines Forschers gegeben und meine Fragen beantwortet.“

Auch ihr außeruniversitäres Engagement half beiden, ein Deutschlandstipendium zu erhalten. Oliver Wiese engagiert sich unter anderem ehrenamtlich in seinem Ruderverein, Christopher Pockrandt arbeitet schon seit langem in einem Berufsverband für Informatiker mit, sammelte Auslandserfahrung und machte sich 2009 nebenbei als freiberuflicher Programmierer selbstständig. Die finanzielle Unterstützung war für Oliver Wiese und Christopher Pockrandt zwar wichtig. Sie sei aber nicht der alleinige Grund gewesen, Förderer zu werden, sagt Wiese: „Es ist für uns auch eine Art des ‚Zurückgebens‘, und es ist schön, anderen Studierenden die Möglichkeiten zu eröffnen, die wir selbst hatten. “

Text: Sandy Bossier- Steuerwald; Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Publiziert im „Alumni-Magazin WIR: Winter 2016/2017(Print Publikation als PDF hier!) der Stabsstelle Presse und Kommunikation der Freien Universität Berlin, S. 44. 

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